IT-Strategie

Green IT: Nachhaltige Digitalisierung als Effizienzprogramm verstehen

Jonas Peters Jonas PetersHead of Data & Automation 19. August 2025 6 Min. Lesezeit
Green IT: Nachhaltige Digitalisierung als Effizienzprogramm verstehen

Nachhaltigkeit in der IT hat einen praktischen Vorteil gegenüber vielen anderen Nachhaltigkeitsthemen: Fast jede wirksame Maßnahme senkt zugleich die Kosten. Weniger Energieverbrauch, längere Nutzungsdauer von Hardware, effizientere Software — das sind zunächst betriebswirtschaftliche Größen. Wer Green IT als Effizienzprogramm aufsetzt statt als Imagekampagne, erzielt messbare Ergebnisse und erfüllt nebenbei wachsende Berichtsanforderungen.

Warum das Thema jetzt auf die Agenda gehört

Zwei Entwicklungen treiben das Thema. Erstens die Kostenseite: Strompreise und der wachsende Rechenbedarf — nicht zuletzt durch KI-Workloads — machen den IT-Energieverbrauch zu einem relevanten Budgetposten. Zweitens die Berichtspflichten: Mit der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) müssen zunehmend auch mittelständische Unternehmen Umweltkennzahlen ausweisen — und Konzerne reichen diese Anforderungen über Lieferantenbewertungen an ihre Zulieferer weiter. Wer heute keine belastbaren Zahlen zum IT-Fußabdruck hat, bekommt die Frage spätestens vom nächsten Großkunden gestellt.

Hebel 1: Infrastruktur — Auslastung vor Austausch

Der größte Einzelhebel liegt in der Server-Infrastruktur. On-Premise-Server im Mittelstand laufen erfahrungsgemäß häufig mit Auslastungen unter 20 Prozent — sie verbrauchen aber nahezu konstant Strom. Konsolidierung durch Virtualisierung, das Abschalten vergessener Altsysteme und die Verlagerung geeigneter Workloads in effiziente Rechenzentren bringen schnell zweistellige Einsparungen. Moderne Cloud-Rechenzentren arbeiten mit PUE-Werten um 1,1 bis 1,2, während kleine Serverräume oft über 2,0 liegen — dieselbe Rechenleistung benötigt dort also fast doppelt so viel Energie. Wichtig ist eine ehrliche Einzelfallbetrachtung: Nicht jeder Workload gehört in die Cloud, aber jeder ungenutzte Server gehört abgeschaltet.

Hebel 2: Endgeräte — Nutzungsdauer verlängern

Bei Notebooks und Monitoren entsteht der Großteil der Emissionen nicht im Betrieb, sondern in der Herstellung. Die wirksamste Maßnahme ist deshalb unspektakulär: Nutzungszyklen von drei auf vier bis fünf Jahre verlängern, Geräte nach Leistungsbedarf statt nach Gießkanne zuteilen und ausgemusterte Hardware über zertifizierte Refurbisher weitergeben statt zu verschrotten. Ein Beratungskunde mit rund 180 Arbeitsplätzen reduzierte allein durch differenzierte Gerätezyklen die jährlichen Hardware-Ausgaben um etwa ein Viertel — bei gleichbleibender Zufriedenheit, weil leistungshungrige Rollen weiterhin früher neue Geräte erhielten. Ergänzend lohnt ein Blick auf die Energieeinstellungen im Betrieb: konsequentes Standby-Management über zentrale Richtlinien ist unspektakulär, aber über hunderte Geräte hinweg messbar.

Hebel 3: Software-Effizienz und Datenhygiene

Ein oft übersehener Faktor ist die Software selbst. Ineffiziente Abfragen, ungenutzte Hintergrundjobs und unkontrolliert wachsende Datenbestände treiben den Ressourcenbedarf. Konkrete Ansatzpunkte: Archivierungs- und Löschkonzepte umsetzen (die ohnehin die DSGVO verlangt), nächtliche Batch-Läufe auf tatsächlichen Bedarf prüfen und bei Eigenentwicklungen Performance als Abnahmekriterium verankern. Effiziente Software ist dabei doppelt wirtschaftlich: Sie spart Infrastrukturkosten und verbessert die Antwortzeiten für die Anwender. Bei einem Kunden reduzierte allein die Überarbeitung von drei besonders lastintensiven Auswertungen die nächtliche Rechenzeit um mehrere Stunden — und machte eine geplante Server-Aufrüstung überflüssig.

Messen, priorisieren, umsetzen

Der Einstieg folgt derselben Logik wie jedes Optimierungsvorhaben: erst messen, dann priorisieren. Eine Bestandsaufnahme umfasst den Energieverbrauch der Serverlandschaft, den Gerätebestand mit Beschaffungszyklen und die größten Datenbestände samt Wachstumsraten. Sinnvolle Kennzahlen für den Start sind der jährliche Stromverbrauch der IT in Kilowattstunden, die durchschnittliche Server-Auslastung, die mittlere Nutzungsdauer der Endgeräte und der Anteil stillgelegter, aber weiterlaufender Systeme. Daraus entsteht eine priorisierte Maßnahmenliste mit Einsparpotenzial in Euro und CO2 — typischerweise fünf bis acht Maßnahmen für die ersten zwölf Monate, jeweils mit Verantwortlichem und Zieltermin. Wichtig ist, die Wirkung nach der Umsetzung tatsächlich nachzumessen: Nur so lässt sich gegenüber Geschäftsführung und Kunden belegen, dass die Maßnahmen greifen. Wie wir solche Analysen im Rahmen unserer IT-Strategieberatung durchführen, zeigt unsere Seite Dienstleistungen.

Fazit: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind hier kein Widerspruch

Green IT ist eines der wenigen Nachhaltigkeitsthemen, bei dem sich ökologische und betriebswirtschaftliche Ziele fast vollständig decken. Wer mit einer nüchternen Bestandsaufnahme beginnt, die Infrastruktur konsolidiert und Gerätezyklen überdenkt, senkt Kosten und Emissionen gleichzeitig — und ist für kommende Berichtspflichten vorbereitet. Wenn Sie den IT-Fußabdruck Ihres Unternehmens strukturiert erfassen möchten, sprechen Sie uns an.

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